Überall du!

I. Lachner

Wenn mich der dunkle Schacht

schauriger Mitternacht

einsam umschließt,

bin ich doch nie allein,

denk' ja, Geliebte, dein,

die mir der Liebe Pein

schmerzlich versüßt.

Schweift auch von fernem Strand

weithin zum Jugendland

sehnend der Blick,

ist doch mein Geist dir nah';

ach, an der Stelle, da

liebend das Aug' dich sah,

blieb er zurück!

Du blickst im Morgenschein;

bricht dann der Abend ein,

winkst du mir zu.

Du in des Tages Glut,

du in des Baches Flut,

du in der Stürme Wut,

überall du!

Weckst mich im Lerchensang,

und deines Namens Klang

lallt mich zur Ruh';

Ach, jenes süße Bild,

das mir so hehr und mild

leuchtend die Seele füllt,

Teure, bist du!