Alles ist eitel, spricht der Prediger
Isaac Nathan
Es waren Ruhm und Weisheit mein,
Und Jugend und mächtiges Walten.
Ich trank aus goldnen Bechern Wein,
Umgeben von holden Gestalten.
Ich sonnte mein Herz in ihrem Blick,
Und fühlte von Lieb' es erglühen.
Was der Mensch sich wünscht, und was spendet das Glück,
War mir, als dem Herrscher, verliehen.
Ich lasse die verfloßne Zeit
Am Geist vorüber schweben.
Möcht' ich bei all' der Herrlichkeit
Sie noch einmal verleben?
Kein Tag, keine Stund' ist dahingerollt
Wo sanft mein Herz gerastet,
Und meine Würde schmückte kein Gold,
Das mich nicht schwer belastet.
Die grimmen Schlangen auf dem Feld,
Vermag die Kunst zu zähmen;
Die, so das Herz gefangen hält,
Wie ihr den Stachel nehmen?
Sie horcht nicht auf der Weisheit Wort,
Auf Saiten, kunstvoll geschlagen,
Ihr Stachel brennet immerfort,
Der Geist, er muß es ertragen!