Belsazar's Gesicht

Isaac Nathan

Der König thront; es sitzen

die Großen im Gemach;

wohl tausend Lampen blitzen

beim festlichen Gelag.

Aus Juda's heil'gen Schalen

trinkt die gottlose Schar,

entweihend zu Pokalen,

was einst Jehova's war.

Zu dieser Stunde hebet

sich plötzlich eine Hand,

die längs der Mauer schwebet

und schreibet, wie auf Sand

Von Arm und Leib getrennet

nimmt man die Hand gewahr,

die längs den Lettern rennet

und schreibet wunderbar.

Der König sieht's mit Bangen,

dahin ist seine Lust,

ohn' Blut sind seine Wangen,

er stöhnt aus tiefer Brust;

"Laßt uns die Männer hören,

die weisesten der Welt,

die Zeichen zu erklären,

die unsre Lust vergällt."

Geschickt sind die Chaldäer,

doch sie erraten's nicht;

verhüllet bleibt dem Seher

das furchtbare Gesicht. a youth,

Geübt sind Babels Greise

wohl in geheimer Lehr;

doch hier sind sie nicht weise,

sie sehn es, und nichts mehr.

Ein Jüngling hört, gefangen

lebt er in Babels Land,

des Königes Verlangen

und fand der Schrift Verstand.

Die Lampen schienen helle,

die Lettern standen klar;

er deutet's auf der Stelle:

Der Morgen zeigt es wahr.

Mene:

Voll sind des Königs Tage,

vollendet ist sein Reich.

Tekel:

Gott wog ihn auf der Wage,

fand ihn dem Staube gleich.

Peres:

Hinab von seinem Throne

steigt er im Grab gewand.

Upharsin:

Der Perser hat die Krone,

der Meder hat das Land.