Die wilde Gazelle

Isaac Nathan

Gazelle, die so wild und schnell

auf Juda's Bergen springt,

und aus lebend'gem Sprudelquell

auf heil'gem Boden trinkt,

wie du so luftig schwebst und kühn,

kann wohl dein Aug' vor Freuden glühn?

Ach andrer Füsse leichten Tanz,

auf den geliebten Höh'n,

und einen hellern Augenglanz

hat Juda sonst gesehn.

Die Cedern wehn nach immer fort,

die schönern Jungfraun sind nicht dort.

Beneiden, heimathlos Geschlecht,

musst dort du jeden Baum.

Er bleibt, in dem er Wurzeln schlägt,

und ziert der Wüste Raum.

Im Mutterboden festgebannt,

kann er nicht blühn im fremden Land.

Wir suchen uns, des Leides Raub

ein Grab in fremder Welt;

es wird zu unsrer Väter Staub

nicht unser Staub gesellt:

Zerstörung sitzt und grinset Hohn

auf Juda's umgestürztem Thron.