Lochnagar

Isabella Mary Scott

Fort lachen die Fluren und Rosengefilde,

Dort ruhe der Liebling der Wollust sich aus;

Mich locken im Schneekleid die Felsengebilde,

Die Stätte, wo Liebe und Freiheit zu Haus.

O Schottland, wie reich ist dein Bergland an Wonnen,

Umbraust seine Scheitel auch Sturm immerdar,

Ob Sturzbäche schäumen statt plätschernder Bronnen,

Doch sehnt sich mein Herz nach dem Tal Lochnagar.

Dort bin ich als Knabe durchs Hochland gestrichen,

Ein Plaid war mein Mantel, mein Hut ein Barett;

Ich dachte der Helden, die lange verblichen,

Im Dickicht noch ragte ihr moosiges Bett.

Ich kehrte erst heim mit ersterbendem Tage,

Wenn der helle Polarstern schon leuchtete klar,

Und dachte beim Heimgang manch seltsamer Sage,

Erzählt von Bewohnern vom Tal Lochnagar.

Jahre verrollten, seit du mir entrückt bist,

Jahre vergehn, eh' ich wieder dich schau;

Ob du von Blumen auch hold nicht umschmückt bist,

Lieb' ich doch mehr dich als Albions Au.

Einfach und ländlich nur magst du erlaben,

England! Ein Herz, das im Hochgebirg' war.

O um die Klippen so wild und erhaben,

Düster umgrollend das Tal Lochnagar.