Himmel auf Erden

J. Abenheim

Strahlt mir so mild aus klarer Quelle

der gold'nen Sterne Widerschein,

so dünkt mich's, in der ird'schen Welle

tief unten müsst' ein Himmel sein.

Doch blick' ich auf, dort oben thronen

seh' ich des ew'gen Himmels Licht,

und doch soll hier ein Himmel wohnen;

o sagt, find' ich den Himmel nicht?

Und wenn in Lenzes buntem Segen

die junge Welt sich bräutlich schmückt,

ist mir's, als hätt' auf allen Wegen

ich rings des Himmels Spur erblickt.

Doch nein, es sind nur seine Strahlen,

die er als Boten ausgesandt,

in neuer Pracht die Welt zu malen -

den Himmel selbst ich nimmer fand.

Von einem Himmel hört' ich singen,

der wohl zur Erde niedersteigt,

wenn selig Arme sich umschlingen,

die Lieb' ein Herz zum Herzen neigt,

die Lippen, wie mit Engelsflöten,

die Laute stammeln: ewig dein!

Ja, erster Liebe fromm' Erröten,

das muss der Erdenhimmel sein!

Du stiller Himmel meiner Träume,

erhörter Liebe selig Glück,

warum entfliehst in ferne Räume

du scheu dem Wachenden zurück?

Sieh' mich die Arme sehnend breiten

voll Glut im treuen Busen hier,

nah', mich durchs Leben sanft zu leiten,

du ird'scher Liebeshimmel, mir!