Der Tag ist nun vergangen
J. Ahle
Der Tag ist nun vergangen
Mit seiner Sorgen Last;
Die Nacht hat angefangen
Und aller Arbeit Rast.
Das Licht hat abgenommen
Mit uns'rer Lebenszeit;
Wir sind nun näher kommen
Der grauen Ewigkeit.
Wie wir zu Bette liegen,
So liegen wir im Grab.
Wie soll uns denn vergnügen
Der Welt verlornes Hab?
Indem wir schlafen gehen,
Wird uns der Tod gemein.
Kein Mensch kann lang' bestehen,
Es muss gestorben sein.
Wie wir die Kleider lassen,
Bevor wir schlafen ein,
So bleibt uns gleichermaßen
Nichts als der Leichenstein.
Ein Leilach mich bedecket
Hier und im Totengrab,
Bis mich die Sonn' erwecket
Und Christi Richterstab.
Weh denen, welche sterben
Ohn' allen Vorbedacht.
Sie können leicht verderben
Dort in der Höllen Macht.
Ich muss, ich muss bekennen,
Dass ich Unrecht gethan.
Ich muss mich lässig nennen
Auf schmaler Tugendbahn.
Ich will mich Gott befehlen,
Der mich erlöset hat,
Und mich um nichts nicht quälen,
Er gibt mir seine Gnad.
Das Gute zu vollbringen
Ist mein Fleisch viel zu schwach!
Ich will mich besser zwingen,
Wenn ich leb' und erwach'.
So will ich sein beflissen
Zu leben sündenrein
Und wider mein Gewissen
Nicht häufen Straf' und Pein.
Der Vorsatz ist genommen,
Ich bin dazu gerüst't.
Mir wird zu Hülfe kommen,
Der in uns mächtig ist.
Herr! lass dich gnädig finden
Und schütz' mich diese Nacht,
Erlass mich meiner Sünden,
Die ich den Tag vollbracht.
Gib, dass ich ruhig schlafe
Ohn' böse Träum' und Schmerz,
Und in mir neu erschaffe
Ein dir gehorsam's Herz.