Das Leben
J. Amon
Das Leben is der Welle gleich
Die in dem Thal entspringt,
Noch rein und sanft aus ihrem Teich
Mit süßem Wallen dringt.
Froh hüpft sie über reinen Sand
Mit leisem Plätschern hin,
Küßt überall den grünen Rand,
Und will und kann nicht flieh'n.
Dann stürmt sie schnell zum Wasserfall
Der Leidenschaften hin,
Erhebt sich, koset überall,
Wo frische Veilchen blühn.
Drauf schleicht sie stiller durch das Rohr,
Das oft hernieder winkt,
Und öfters schnell durch Dorn und Moor
Auf seine Welle sinkt.
Bald kommt ein Wellchen und vereint
Mit seiner Welle sich,
Und flüstert zärtlich, halbgeweint:
Wie lieb', wie lieb' ich dich!
Dann schließen kleine Wellchen sich
An diese Wellen an,
Und hüpfen froh und wonniglich
Des Bächleins krumme Bahn.
Vom langen Kampf ermüdet geh'n
Sie matt den Rand hinan,
Und kommen, eh sie sich's versehn
Zum großen Ozean.