Am Sylvester-Abend

J. André

Des Jahres letzte Stunde

Ertönt mit ernstem Schlag:

Trinkt, Brüder, in die Runde

Und wünscht ihm Segen nach!

Zu jenen grauen Jahren

Entfliegt es, welche waren;

Es brachte Freud' und Kummer viel

Und führt' uns näher an das Ziel!

Alle.

Ja, Freud' und Kumer bracht' es viel,

Und führt' uns näher an das Ziel.]

In stetem Wechsel kreiset

Die flügelschnelle Zeit:

Sie blühet, altert, greiset

Und wird Vergessenheit;

Kaum stammeln dunkle Schriften

Auf ihren morschen Grüften.

Und Schönheit, Reichthum, Ehr' und Macht

Sinkt mit der Zeit in öde Nacht.

Alle.

Ach! Schönheit, Reichthum, Ehr' und Macht

Sinkt mit der Zeit in öde Nacht.]

Sind wir noch alle lebend,

Wer heute vor dem Jahr,

In Lebensfülle strebend,

Mit Freuden fröhlich war?

Ach mancher ist geschieden

Und liegt und schläft in Frieden!

Klingt an, und wünschet Ruh' hinab

In unsrer Freunde stilles Grab.

Alle.

Klingt an, und wünschet Ruh' hinab

In unsrer Freunde stilles Grab.]

Wer weiß, wie mancher modert

Um's Jahr, versenkt in's Grab!

Unangemeldet fordert

Der Tod die Menschen ab.

Trotz lauem Frühlingswetter

Wehn oft verwelkte Blätter.

Wer von uns nachbleibt, wünscht dem Freund

Im stillen Grabe Ruh', und weint.

Alle.

Wer nachbleibt, wünscht dem Freund

Im stillen Grabe Ruh', und weint.]

Der gute Mann nur schließet

Die Augen ruhig zu;

Mit frohem Traum versüßet

Ihm Gott des Grabes Ruh'.

Er schlummert leichten Schlummer

Nach dieses Lebens Kummer;

Dann weckt ihn Gott, von Glanz erhellt

Zur Wonne seiner bessern Welt.

Alle.

Dann weckt ihn Gott, von Glanz erhellt

Zur Wonne seiner bessern Welt.]

Auf Brüder, frohen Muthes,

Auch wenn uns Trennung droht!

Wer gut ist, findet Gutes,

Im Leben und im Tod.

Dort sammeln wir uns wieder

Und singen Wonnelieder!

Klingt an, und: Gut sein immerdar!

Sei unser Wunsch zum neuen Jahr!

Alle.

Gut sein, ja gut sein immerdar!

Zum lieben frohen neuen Jahr!]