Bergmannslied

J. André

Glück auf, komm, liebe Cyther, komm,

Ertönen mußt du heute!

Du bist allhöflich, bist so fromm,

Wie meines Herzens Freude.

Glück auf! Verfahren ist die Schicht

Und an des Tages goldnem Licht

Kann ich mich heute sonnen.

Sie, die dort hängt in Strahlenpracht,

Wir sehn sie selten schimmern:

Denn unser Tag im stillen Schacht

Ist nur Kikaten-Flimmern.

Doch bei dem blassen Grubenlicht

Sehn wir auch manche Thorheit nicht,

Die frech zu Tage blendet.

Und schöner, schöner lacht sie dann

Von ihrer blauen Höhe,

Wenn ich ihr Antlitz dann und wann

Fern vom Gedinge sehe.

Die Augen, die sie täglich sehn,

Die wissen wahrlich! nicht, wie schön

Sie Gottes Hand entronnen.

Süß ist die Feier nach der Müh!

Schön ist's, der Welt zu nützen!

Drum scheu ich mich vor Huschen nie

Und nie vor Ort zu sitzen;

Bin ehrlich, wie gedlegen Gold,

Und jedem ist Caputzer hold,

Der's Künstelhängen hasset.

Glück auf! ist gleich mein Hüttchen schlecht;

Mein Wunsch begehrt nichts weiter.

Mein ist ein Weib, wie Gold so echt,

Wie Silberblick stets heiter.

Ihr liebes freundliches Gesicht

Lacht mir ins Herz -- nach jeder Schicht,

In jede Ader Freude.

Wo ist ein artiger Geschick?

Glück auf, daß ch's nicht kenne!

Bei ihrem schönen frommen Blick

Ist labend auch Berghenne.

Und streicht nicht ohne dies dem Mann,

Der andre glücklich machen kann,

Der Edelste der Gänge?

Wer reicht der Welt die Schätze dar,

Verdienst und Fleiß zu lohnen?

Wer gibt dem Pflüger seine Schar?

Wer herrschern ihre Krone?

Wo ist ein Volk, wo ist ein Land,

Das nicht der Fäustel unsrer Hand

Mit Segen überschüttet?

Jauchzt, die ihr führt, was Edel heißt,

Ihr Klüfte, hallt's ihr Wände!

Der König und der Bettler preist

Die Arbeit unsrer Hände.

O würde nur dem Stolze nie

Und nie dem Geiz, was unsre Müh

So schwer gewinnt, geschmolzen!

Was ist doch Pracht und Herrlichkeit --

Was alles Gut am Ende?

Nur haltig in dem Gang der Zeit,

Wird alles dann zu Blende.

WIe zittert dann der reiche Mann,

Der keines Armen Dank gewann,

In Todes-Schacht zu fahren!

Glück auf! getrost fahr' ich davon,

Weil ich dort edler werde.

Glück auf! Glück auf! wir kennen schon

Den Mutterschooß der Erde.

Da ist's so kühl! Da ist's so still!

Kein Schwadengift kein Gerüll

Kann uns dann weiter schaden.