Die Weiber von Weinsberg

J. André

Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?

Soll sein ein wackres Städtchen,

soll haben, fromm und klug gewiegt,

viel Weiberchen und Mädchen.

Kömmt mir einmal das Freien ein,

so werd' ich Eins aus Weinsberg frei'n.

Einstmals der Kaiser Konrad war

dem guten Städtlein böse,

Und rückt' heran mir Kriegesschar

und Reisigengetöse,

umlagert' es mit Roß und Mann

und schoß und rannte drauf und dran.

Und als das Städtlein widerstand

trotz allen seinen Nöten,

da ließ er, hoch von Grimm entbrannt,

den Herold 'nein trompeten:

ihr Schurken, komm ich 'nein, so wißt,

soll hängen, was ein Mannsen ist.

Drob, als er den Avis also

hinein trompeten lassen,

gab's lautes Zetermordio

zu Haus und auf den Gassen.

Das Brot war teuer in der Stadt;

Doch teurer noch war guter Rat.

"O weh mir armen Korydon!

o weh mir!" die Pastores

schrie'n: Kyrie eleison!

wir geh'n, wir geh'n kapores!

o weh mir armer Korydon!

es juckt mir an der Kehle schon."

Doch wenn's Matthä' am Letzten ist,

trotz Raten, Tun und Beten,

so rettet oft noch Weiberlist

aus Ängsten und aus Nöten.

Denn Pfaffentrug und Weiberlist

geh'n über Alles, wie ihr wißt.

Ein junges Weibchen Lobesan,

seit gestern erst getrauet,

gibt einen klugen Einfall an,

der alles Volk erbauet,

den ihr, sofern ihr anders wollt,

belachen und beklatschen sollt.

Zur Zeit zur stillen Mitternacht

die schönste Ambassade

von Weibern sich ins Lager macht

und bettelt dort um Gnade.

Sie bettelt sanft, sie bettelt süß,

erhält doch aber Nichts als dies:

"Die Weiber sollen Abzug han

mit ihren besten Schätzen;

was übrig bliebe, wolle man

zerhauen und zerfetzen."

Mit der Kapitulation

schleicht die Gesandtschaft trüb davon.

Drauf, als der Morgen bricht hervor,

gebt Achtung! was geschiehet?

Es öffnet sich das nächste Tor,

und jedes Weibchen ziehet

mit ihrem Männchen schwer im Sack,

so wahr ich lebe! Huckepack!

Manch Hofschranz suchte zwar sofort

das Kniffchen zu vereiteln.

Doch Konrad sprach: "ein Kaiserwort

soll man nicht dreh'n noch deuteln.

Ha bravo! rief er, bravo so!

Meint' unsre Frau es auch nur so!"

Er gab Pardon und ein Banket sic,

den Schönen zu gefallen;

da ward gegeigt, da ward trompet't,

und durchgetanzt mit allen,

wie mit der Burgemeisterin,

so mit der Besenbinderin.

Ei, sagt mir doch, wo Weinsberg liegt?

Ist gar ein wackres Städtchen;

hat treu und fromm und klug gewiegt,

viel Weiberchen und Mädchen.

Ich muß, kömmt mir das Freien ein,

führwahr! muß Eins aus Weinsberg frei'n.