Es stürmet so schaurig durch's eisige Feld
J. André
Es stürmet so schaurig
durchs eisige Feld;
sie lieget so traurig
die schlummernde Welt;
die Strahlen der Sonne
sind matt und verglüht,
und Schönheit und Wonne
der Fluren verblüht.
Der stürmische Winter
hat Alles entlaubt;
er hat uns die Kinder
des Lenzes geraubt;
doch grünet und blühet
Ein Blümchen uns noch.
Wer klug ist, der ziehet
das Blüchen sich hoch.
Das Blümchen heißt Freude,
das Blümchen heißt Lust,
keimt morgen, wie heute,
ein jeglicher Brust;
nur muß man es hegen
in günstigem Land
und warten und pflegen
mit sorglicher Hand.
Wo Stürme der Sorgen
die Seele umwehn
am Abend und Morgen,
da muß es vergehn;
wo Gold nur erfreuet
und Schimmer und Ehr,
da, Freunde, gedeihet
das Blümchen gar schwer.
Wo Lastergift trinket
der lüsterne Sinn,
da welket und sinket
das Blümchen dahin.
Es grünt nur und blühet
der Unschuld im Schoos,
und Frohsinn erziehet
das Blümchen dann groß.
Und soll es hübsch sprießen
Jahr aus und Jahr ein:
so müßt er's begießen
zuweilen mit Wein;
auch soll es nach Wunsche
und herrlich gedeihn,
sprengt man es mit Punsche
im Winter auch ein.
Dann wurzelt's in Frieden,
dann grünet es lang,
und treibet die Blüthen
Scherz, Spiel und Gesang.
Wem heiter das Leben
und froh sollt entfliehn,
der muß sich bestreben,
dieß Blümchen zu ziehn.