Morgenlied eines Bauersmanns

J. André

Marsch auf, lieb Weibel, Kind und Hund!

Es kräht schon unser Hahn;

Die Morgenstund' trägt Gold im Mund;

Drum flugs euch angethan!

Draus meckert schon der Zottelbart,

So oft der Haushahn kräht,

Und Hämmlein, Lämmlein, kraus und zart,

Schon auf die Weide geht.

Das Lerchlein singt schon auf der Haid'

Im güldnen Morgenschein;

Und ihr -- wie schläfrig ihr noch seid!

Schämt euch ins Herz hinein!

Ach Gott, wie warm die Sonn' aufgeht,

Wie labt sie das Gemüt!

O wie so frisch der Garten steht,

Und Kraut und Blümlein blüht!

Da hängt der Thau noch blitzend dran!

Das that gewiß gar früh

Sein Engel; denn mich Bauersmann

Vergißt der Gute nie.

Dank dir, daß du auch Weib und Kind,

Du Engel, diese Nacht

Und mich und all mein Hausgesind

So treulich hast bewacht.

Wir wollen nun von Herzen gern

Auf zu der Arbeit stehn,

Und nicht, wie unsre großen Herrn,

Vom Bett zu Tische gehn.

Nach seiner Art zieht jedes nun

Zu seinem Tagwerk aus,

Der Adler wie das Haselhuhn,

Der Löwe wie die Maus.

Laßt drum hinaus ins Feld uns ziehn;

Frisch, Kinder, frisch daran!

Damit die Ameis' und die Bien'

Uns nicht beschämen kann.

Und du im Himmel! sieh' herab

Auf uns und unser Feld!

Und wende Flut und Hagel ab!

Du bist ja Herr der Welt!

Und kommen wir beim Abendroth

Dann heim in Müh' und Schweiß,

So segn' uns, lieber guter Gott!

Auch unsern Topf voll Reiß!