Abendlied im Frühling

J. Anthes

Auf rötlichem Gefieder

steigt schon der Abend nieder

und ladet ein zur Ruh'.

Wie dort die Sterne blinken!

Sie flimmern hell und winken

uns stillen Frieden zu.

Die Vöglein ruh'n und schweigen,

und schwarze Schatten neigen

sich schon das Tal entlang.

Nur Nachtigallen-Lieder

ertönen flötend wieder

und singen Lobgesang.

Nun, auch auf meinen Wegen

tönt, Gott, dir Dank entgegen

zu dieser Frühlingsnacht.

Du hast mit Vaterwalten

mich gnädig heut' erhalten,

du Gott voll Lieb' und Macht.

Ja, Herr, mit Saitenklängen

zu frommen Lobgesängen

sei dir mein Dank gebracht.

O schütze voll Erbarmen

mich auch in Schlafes Armen

im Dunkel tiefer Nacht!

Still ruh'n des Tags Geschäfte;

ich sammle neue Kräfte

auf sich'rem Lager mir.

So ruh'n die müden Glieder,

doch morgen wach' ich wieder,

erweckt, o Gott, von dir.

Einst glänzt zum letzten Male

in diesem Erdentale

mir deiner Sonne Schein.

Dann stärke mich im Scheiden

und lass des Himmels Freuden

mein schönes Erbteil sein!