Trüber Verlust

J. Berens

Was weinst du dir die Augen roth?

Sag an: was thut dir weh?

Ist Vater krank, ist Mutter todt?

Der Bruder aus zur See?

»Ach, nein! mit Vater hat's nicht Noth,

Und Mutter bleicht den Lein';

Doch besser wär's, er wäre todt,

Läg unter'm Leichenstein.

»Ja, besser, daß er ruhig schlief

Wol unter'm grünen Gras.

Der Wind ist laut, die See ist tief,

Ich wein' mein Bette naß.«

Und ob die See auch noch so hohl,

Auch noch so mächtig wühlt:

So mancher Schiffer kehrte schon,

Den man verloren hielt.

So wein' dir nicht die Augen roth

Und wisch' die Thränen ab;

Ein junges Blut, ein neues Boot,

Sinkt nicht ins nasse Grab.

»O gönnt's ihm, läg' er in der See,

Auf weißem Meeressand,

Dann hört er nichts von Angst und Weh',

Von Sünd' und Scham und Schand'!

»Soldaten kamen guter Ding,

Manch' schmucker, schöner Mann;

Soldaten gingen frei und flink, --

Ich fing zu weinen an.

»Und wein' mir aus die Augen noch,

Und bin so todtbetrübt,

Er war so gut, -- ich glaubt' ihm doch,

Und hab' ihn so geliebt!

»Er war so jung, er war so schlank,

Er sagt', er käme bald;

Nun fällt, entfärbt schon wochenlang,

Das Laub im nahen Wald.

»Und kommt er nicht und stillt den Gram,

Wo soll ich einmal hin?

Ich fall' vor Sünde, Schand' und Scham

Wie's Laub zur Erde hin!«