Der Weg ins Paradies

J. Blumenthal

Trüben Blicks stand ein armes Kind

an des Hospitales Toren.

„Macht auf, machet auf mir geschwind,

mein Mütterchen hab' ich verloren!

Lieb Mutter ist hier, lasst mich sie seh'n!“

So fleht das Kind und klopft und weinet,

bis man das Tor des Hauses öffnet

und ihm verkündet, was gescheh'n:

„Arme Kleine,

so alleine,

weine nicht, die Mutter ist

auf dem Weg ins Paradies!“

Nach dem Wege fragt sie d'rauf;

mit Freundlichkeit hört man die Kleine,

sagt ihr, wie so lang sei der Lauf,

wie voller Hinderniss' und Steine.

Doch die Hoffnung verlässt sie nicht,

sie macht sich freudig auf die Reise,

befolgt des Herzens fromme Geheiße,

unverzagt voll Zuversicht

trägt sie Plagen

ohne Klagen,

denn wie sie glaubt, ist gewiss

dies der Weg ins Paradies.

Doch bald sind die Kräfte dahin,

erschöpft von dem Schmerz und Harme.

Zu dem nahen Kloster führt hin

ein mitleid'ger Schäfer die Arme.

Man eilt, ihr beizusteh'n geschwind;

umsonst, das Kind erbleicht und bebet.

Der Tod, der alle Schmerzen hebet

führt hinauf zur Mutter das Kind.

Voll Erbarmen

mit der Armen

bringt er sie nun, o gewiss

auf den Weg ins Paradies.