Die Flucht

J. D'Alquen

Die Nachtigall zur Abendstund'

sang wohl vor starrem Gitter,

sang Trost ins Herz, das sorgenwund

mir armem schmachtenden Ritter.

Nun mahnt der Laut

an meine Braut;

ich traue meinen Sinnen kaum,

als läg' ich eingewiegt im Traum.

„Du träumest nicht, Feinslieb ist da,

vom Kerker dich zu retten.

Mein Trauter, Mut! Die Hülf' ist nah',

die Feile bricht die Ketten.

Schwing' dich hinab,

mein edler Knab';

hin fällt mein Haar so voll und lang,

es führt dich von der Mauer Hang.

Befreit aus deiner Feinde Schloss

stehst du nun an dem Hügel;

hier hält gezäumt dein edles Ross

mein Leibdien' dir als Bügel.

Mein Trauter, reit',

nimm das Geschmeid',

es schafft dir Rat auf rascher Flucht,

erschließ' den Pfad durch Wald und Schlucht!“

„Alleine flieh'n? Mein Herz, lass ab,

ich flöh' nicht um mein Leben.

Die mir die Freiheit, alles gab,

muss auch das Höchste geben!

Das Ross trägt zwei,

schürz' dich herbei!“

Sie jagen schon in Freundes Bann

vereint auf immer, Weib und Mann.