Das geborgene Kind
J. Dessauer
Die Welle wühlt im Sande,
Die Welle schlägt an's Haus;
Der Knabe sitzt am Strande
Und sieht in's Meer hinaus.
Komm, liebe Well', ich schmiege
Mich froh in dich hinein,
Du sollst mir eine Wiege,
Ich will dein Kindlein sein.
Sollst mich hinüber tragen,
Wo andre Menschen sind,
Die nicht die Kinder schlagen, --
Mich armes, armes Kind.
Und lebst du mir zu Willen,
Begehre keinen Lohn;
Gab ich dir ja im Stillen
Viel tausend Thränen schon.
Die Welle rauscht und steiget
Zum hohen Strand heran;
Der Knabe still sich neiget
Und läßt sich gerne fahn.
Wohl ruft am nächsten Morgen
Der Vater rings sein Kind; --
Im Röhricht liegt's geborgen
Und drüber saust der Wind.