Das Tiefste

J. Dessauer

Tiefes Meer, tiefes Meer!

Ach wie bist du stolz und hehr!

Keinem Auge ward es kund,

Was sich regt auf deinem Grund,

Wie's im bodenlosen Schlund

Lebt und webt,

Sproßt und schwebt.

Deine Tiefe -- schwarz und wild!

Deine Fläche -- schön und mild!

Tiefes Meer, tiefes Meer!

Ach wie bist du stolz und hehr!

Tiefes All, tiefes All!

Flutest um den Erdenball!

Bist so tief und doch so klar;

Auf den Schwingen wunderbar

Trägst du deine goldne Schaar.

Stern um Stern,

Fern und fern,

Steiget auf, mit Sehnsuchtklang

Wandelnd seinen ew'gen Gang.

Tiefes All, tiefes All!

Flutest um den Erdenball!

Tiefes Herz, tiefes Herz!

Wie viel trägst du Lust und Schmerz!

Nichts ist doch so tief wie du,

Nichts ist doch so stolz wie du;

Strebst und hämmerst ohne Ruh'.

Was da lebt,

Was da schwebt --

Allem ringst du nach voll Pein,

Alles muß dein eigen sein.

Tiefes Herz, tiefes Herz!

Wie viel trägst du Lust und Schmerz!