Des Mägdleins Nachtgebet

J. Dessauer

Vergangen ist der lange Tag,

Und Alles ruh'n und schlafen mag.

Mein Herz in Sehnsucht wacht allein

Und denket dein.

Und denket mancher lieben Stund',

In der ich hieng an deinem Mund.

Es blicht der Mond durch' s Fensterlein

So trüb' herein.

Da kommt mir's wieder in den Sinn,

Daß ich so ganz verlassen bin;

Manch Thränlein wein'ich arme Maid

In Einsamkeit.

Doch still! Ich will nicht weinen mehr,

Gedenke ich in Sorgen schwer,

Daß du allein und unbekannt

Im fremden Land.

Vergieb mir, daß ich diese Nacht

Nur meines Leides hab'gedacht;

Im Bette schnell erheb'ich mich

Und bet'für dich.

Und sage Alles Gott dem Herrn,

Der höret fromme Liebe gern;

Er wird dich halten treu und gut

In sich'rer Hut.

Er segne unser Liebesbund,

Daß du mir hold feist allestund,

Daß ich dein Glück in Freud' und Leib,

In Ewigkeit.