Waldesrauschen

J. Doebber

Oft geht an schönen Frühlingstagen

Ein seltsam Rauschen durch den Wald,

Gleichwie ein sehnsuchtsinnig Fragen,

Das durch die weichen Lüfte hallt;

Ein Flüstern dann, ein holdes Scherzen,

Recht wie ein Zug von Herz zu Herzen --

Doch wer dies Rauschen will verstehn,

Der muß im Wald zu Zweien gehn!

Vom Bächlein rauscht es tief in Gründen;

Ein Plätschern hier, ein Plaudern dort:

In frischer Luft ein Lenzverkünden,

Im Liebestraum ein flüsternd' Wort;

Da ist, als müßten im Vereine

Mittönend rauschen selbst die Steine --

Doch wer dies Rauschen will verstehn,

Der muß im Wald zu Zweien gehn.

Und geht auf stillem Waldeswege

Im Lenzgefühl ein junges Paar,

Dann glänzt wie Gold durch's Laubgehege

Der Himmel reich und wunderbar;

Kein Lüftchen will das Glück verschweigen,

Und lauter rauscht es in den Zweigen --

Doch wer dies Rauschen will verstehn,

Der muß im Wald zu Zweien gehn.