Weg zum Liebchen

J. Doebber

Wo der Weg zum Liebchen geht,

Liegt ein alt Gemäuer,

Wenn der Mond am höchsten steht,

Ist's dort nicht geheuer.

Waldfrau sitzt auf einem Stein,

Nickt in stiller Trauer.

Kalt wie Eis durch Mark und Bein

Rieselt mir der Schauer.

Bis zum ersten Hahnenschrei

Trägt sich zu so mancherlei,

Stille!

Weiter geht's. An See und Moor

Flüstern Schilf und Binsen.

Nixenfräulein steigt empor

Aus den Wasserlinsen,

Will mit ihrer Glieder Reiz

Halten mich und bannen,

Doch ich schlage stumm ein Kreuz,

Fahre schnell von dannen.

Bis zum ersten Hahnenschrei

Trägt sich zu so mancherlei,

Stille!

Weh' es kommt der wilde Tross,

Kommt die Jagd die tolle

Und voraus auf schwarzem Ross

Lichtumstrahlt Frau Holle.

Schau' mich nicht so glühend an,

Lockst mich nicht zur Minne,

Lenkst mich nicht aus meiner Bahn,

Schöne Teufelinne!

Bis zum ersten Hahnenschrei

Trägt sich zu so mancherlei,

Stille!

Sicher vor dem Geisterschwarm

Sitz' ich hier im Stübchen,

Schlinge meinen linken Arm

Um mein plaudernd Liebchen.

Dass ich Spuk und Höllenkunst

Siegreich abgeschlagen,

Wird von meiner Holden Gunst

Süssen Lohn mir tragen.

Bis zum ersten Hahnenschrei

Trägt sich zu so mancherlei,

Stille!