Bergmannsreichthum
J. Dont
Der Bergmann ist ein armer Mann
Und doch dabei so reich,
Weil er dem Glück entsagen kann,
Wie Keiner wohl von euch.
Durch Kammern geht er aus und ein,
Wo Schatz auf Schatz gehäuft,
Und funkelnd durch das Felsgestein
Das Goldgeäder läuft.
Allein mit Gleichmuth sieht sein Blick
Den Reichthum rings umher,
Und niemals schmäht er sein Geschick
Wenn auch der Säckel leer.
Denn eines Schatzes jederzeit
Ist er sich froh bewußt,
Und dieß ist die Genügsamkeit
In sorgenfreier Brust.
Doch was in euch den Neid erregt
Und euren Frohsinn lähmt,
Mit Habgier euer Herz bewegt,
Das ist dem Bergmann fremd.
D'rum schafft er, was er schaffen kann,
Mit seines Fäustels Streich,
Und ist, wenn gleich ein armer Mann,
Doch auch wie Wen'ge reich.