Die Burg Fellin

J. Feyhl

"Mutter, siehst du grau es scheinen

Dort herüber von dem See?

Bergesspitzen, sollt' ich meinen,

Starren seltsam in die Höh'."

"Kind, das ist das Winterlager,

Drin der Wolf, der Sachse liegt;

Kind, das ist sein Sommerlager,

Draus in unsre Hütt' er bricht."

"Mutter, was dort hör' ich klingen,

Wie ich's fast nicht sagen mag?

Geister in den Wolken singen,

Ferne donnert's Schlag auf Schlag."

"Kind, so singet seine Brüder

Dort der Sachse in das Grab --

Unsrem Volke Todtenlieder,

Wiegenlied dir, armer Knab'!"

Kindes Hände bang sich schmiegen

In der Mutter treue Hand,

Und so beide still sie stiegen,

Feindes Feste zugewandt.

Stolz stehn auf die Thoresflügel,

Einlass fand das arme Weib,

Schleppt' hinan am steilen Hügel

Ihren todesmüden Leib.

Barfuß über rauhem Eise

Schleppt' sie sich zum finstern Thurm,

Und begann die Klageweise,

Grollend heult dazu der Sturm.

"Du da, in dem tiefen Grabe,

Noch lebendig, eingesenkt,

Bring' dir meine letzte Habe,

Brot, in Thränensalz getränkt!

"Lebst du noch im tiefen Grabe,

Lebst du noch, du Sohn der Nacht,

Habe deine letzte Habe,

Deinen Knaben dir gebracht!"

Bange Kind und Mutter riefen,

Grollend heult' dazu der Sturm,

Aber stumm blieb's in der Tiefen,

Stumm blieb's in dem finstern Thurm.