Über Nacht

J. Feyhl

Im frühsten Lenze hat sie mich

Geküsst bei Tagesneige,

Es stahl ein Abendlüftchen sich

Durch zitternde Pappelzweige.

Wer riete, dass ein Lüftchen hat

Erregt ein Stürmen und Sausen,

Und ihrer Lippen stille Tat

Ein Gähren und ein Brausen?

Das nächtlich kam und nächtlich ging,

Die Forste zu durchwühlen,

Das sich in meiner heissen Brust

Nicht legen will und kühlen.

Ich seh' die Bäume des Morgens an,

Wie steht ihr so ruhig da draussen!

Euch ward nicht Liebe angetan,

Sonst müsstet ihr selig brausen!