Die Schildwache
J. Fischhof
Ich stand am finster'n Turme
zur stillen Mitternacht,
die Flinte fest im Arme,
zu halten gute Wacht.
So schritt ich eine Weile
getreulich ab und auf,
sah forschend in die Runde
hinunter und hinauf.
In ödem Schweigen lagen
die Straßen überall;
es hallten keine Tritte,
kein Feind beschlich den Wall.
Doch sieh! Das tiefe Dunkel
durchschien ein blitzend Licht,
und einer kam geschlichen
mit scheuem Angesicht.
„Heda! was hat es Eile?
Was flüchtest du so schnell?
Soll ich die Wache rufen,
du heimlicher Gesell'?
Was treibt dich, zu verstecken
das reichgestickte Kleid?
Ich weiß, du hast gestohlen
dein silbernes Geschmeid'!
Hab' dich schon lang' belauert;
aus einem reichen Haus,
da trugest du behende
den reichen Schmuck heraus!“
Er blinzet mit den Augen,
erblasst und zittert ganz,
und schüttet auf mich nieder
all seinen Silberglanz.
„Ich will dich nicht verraten,
hab' dich von Herzen lieb;
zieh ruhig durch die Wolken,
o Mond, du loser Dieb!“