Ständchen

J. Fischhof

Liedchen! -- hebe dich auf Schwingen

Einer sanften Melodie!

Immer leiser sollst du klingen,

Wie in ferner Harmonie!

Sollst nicht rauschen -- sollst nicht klagen!

Nicht des Schlummers Störer sein!

Aber flüsternd darfst du sagen:

Ewig! -- ewig! -- denkt er Dein!

Haucht der Zephyr doch so linde

Jetzt der Flur den Abschiedskuß:

Tragt, ihr stillen Abendwinde,

Tragt ihn hin zu ihr als Gruß.

Und ihr Fenster seh' ich offen,

Eng umstrickt mit grüem Wein;

All' mein Sehnen -- all' mein Hoffen,

Schließt das kleine Stübchen ein!

Was im weiten Weltenraume

Ihrer Wünsche fernes Ziel,

Werde freundlich heut' im Traume

Ihr ein kindlich frohes Spiel.

Grüne Auen in der Ferne,

Bunte Vogel in der Luft;

Und das hellste Licht der Sterne

Und der Blumen zartster Duft!

Doch der Schlummergott deckt leise

Dich mit dichterm Flore zu --

Aus dem bunten Zauberkreise

Gingst du ein -- zu sanfter Ruh'.

Soll mein Liedchen nun verklingen,

Bitt' ich um das eine dich!

Will dich gern in Schlummer singen,

Aber wachend -- denk' an mich!