Geduld in Trübsal

J. Franck

Stell', o Herz, dein Trauren ein,

Lass all deine Leiden

Auf den Herrn geworfen sein,

Bald kann er's entscheiden.

Quäle dich nur selber nicht,

Wenn dir Menschenhülf' gebricht,

Gott wird dich nicht lassen.

Selber hat er alle Last

Auf dich hingeleget;

Wenn du keine Kraft mehr hast,

Ist er's, der es träget.

Wie's nicht kömmt von ohngefähr,

So soll's werden nicht zu schwer,

Gott wird tragen helfen.

Deine Stärke weiß er wohl,

Auch dein schlecht Vermögen;

Denke nicht, dass Unfall soll

Sich ohn' ihn erregen.

Merk', er schlägt auch nicht zu viel,

Hält im Strafen Maß und Ziel,

Nicht zu schwer soll's werden.

Fragest du dein Fleisch und Blut,

Das erwecket Schmerzen,

Meinet, was Gott bei dir tut,

Komm' aus bitter'm Herzen.

Anders aber lehrt sein Wort;

Treibe Fleischesdenken fort,

Folge Gottes Willen.

Gottes Wort versichert dich,

Wo Gott herzlich liebet,

Dass er da verberge sich

Und Betrübnis gibet,

Dass sein rauher Nordenwind

Züchtiget das liebe Kind,

So Gott aufgenommen.

Gott ist bei uns in der Not,

Nicht soll von ihm trennen

Dich der herbe Leibestod,

Nicht der Welt ihr Rennen,

Ihre Feindschaft, Gall' und Neid,

Nicht der Satan, Nicht das Leid;

Gott will ewig lieben.

Und dieweil er bei dir ist,

Kann dich nichts verderben,

Weil du Gott ergeben bist,

Muss das Kreuz erwerben

Dir das Kleinod der Geduld.

Prüf' und hoff' auf Gottes Huld,

Du wirst nicht zuschanden.

Weigre dich deswegen nicht,

Wenn dein Gott dich schläget;

Gott ist's, der zerstößt und bricht

Und auch Pflaster leget,

Dass er heile, was zerschellt;

Denke nur: Wie's Gott gefällt,

Will ich's gern erdulden.

Warum nagest du denn ab

Deine Kraft mit Grämen?

Eilest selber in dein Grab;

Kannst dennoch nicht nehmen

Von dir, was Gott auferlegt,

Kannst nicht arzten, was er schlägt;

Gott allein muss helfen.

Ob du lange traurig bist,

Gram wird nicht geringer;

fasse Mut, dein Helfer ist

Gott, der Weltbezwinger.

Er, der freudenreiche Gott,

Will, dass wir die Not und Spott

Noch für Freuden achten.

Unser'm Fleische tut es weh',

In Anfechtung fallen;

Gott weiß, wie es sämtlich geh',

Leget auf uns allen

Alle Last und schweres Joch,

Drum mein Herz, entschließ dich doch:

Ich will fröhlich leben.

Eitel Freude sollen sein

All' Anfechtungsplagen,

Sind doch tausend Brüderlein,

So dergleichen tragen,

Und für ihnen allen ist

Mein herzliebster Jesus Christ,

Der das meist' empfunden.

Aller Kreuz ist Christi Deck',

Drin er sich verkleidet.

Er erkennt, worin ich steck',

Wie die Welt mich neidet.

Auch er rufet mir ja zu:

Ich, dein Herr, du Knecht; willt du

Besser als ich werden?

Nu, mein Herr! Dein Kreuzesbild

Fass' ich in Gedanken,

Und wie du mich haben willt,

Lauf' ich deine Schranken!

Durch Geduld, dir lauf' ich nach,

Jesu, zeuch' zu dir mich: Ach,

Zeuch' zu dir mich, Jesu!

Lass, Herr, deinen Freudengeist

Mir in meiner Seele,

Der mich aus dem Trauren reißt,

Wo ich sonst mich quäle.

Gott! Ich harr' auf dich, mein Hort!

Traurig leb' ich fort und fort,

Aber allzeit fröhlich.