Passionsbild
J. Franck
Komm, Seele, Jesu Leiden
soll mein' Ergetzung sein,
Daran will ich mich weiden,
Da senk' ich mich hinein;
Ich will sonst nichtes wissen
Als meinen Jesum Christ
Und lieber alles missen
Als dass mein Herz ihn misst.
Mein Heiland ist gegangen
Ins Elend, mir zugut'
Verraten und gefangen,
Gegeißelt bis aufs Blut;
Geschlagen und verhöhnet,
Verspeiet und verlacht,
Mit Dornenkranz gekrönet
Und gar ans Kreuz gebracht.
Die Hände sind durchgraben
Mit Nägeln, auch die Füß',
Und Galle sollt' ihn laben,
Als wär' es honigsüß;
Da hing er ausgedehnet,
Die Zunge klebt' am Gaum;
Der sich nach mir gesehnet,
Erstirbt am Kreuzesbaum.
Dies weißt du, meine Seele,
Komm, eile Jesu zu;
In seiner Wunden Höhle
Ist meine Rast und Ruh;
Sein Sterben ist mein Leben,
Sein' Angst erwirbt mir Lust;
Vom Kreuz will ich ihn heben
Und schließen in die Brust.
Er hat für mich bezahlet
Die Schuld, so ich gemacht,
Sein rotes Blut durchmalet
Die Handschrift; meine Nacht
Ist nun in Licht verkehret
Durch meines Heilands Tod:
Weil ihn der Tod versehret,
Entgeh' ich aller Not.
Wenn du dies nicht bedächtest,
Mein Herz, so wärst du Stein,
Wenn du nicht Andacht brächtest,
Würd'st du nicht lebend sein;
Verlasse dich im Glauben
Auf deinen Jesum Christ,
Den soll dir nicht entrauben
All was dir widrig ist.
Du aber, o mein Leben!
Mein Jesu! gib mir Kraft,
Im Geist an dir zu kleben
Und deines Blutes Saft
Im Herzen wohl zu schmecken;
Erhalte mich, mein Held,
Fürm Tod und Teufelsschrecken,
Für Sünden und der Welt.
Ich will sonst nichtes wissen
Als dich, dein Kreuz und Pein;
Die Seele bleibt geflissen,
In dir gelehrt zu sein;
Mein Herz werd' angetrieben
In Jesu Gnad' und Gunst;
Dich, Jesu, herzlich lieben
Ist meine beste Kunst.