Passionsbitte

J. Franck

Die bitt're Trauerzeit beginnet abermal

Und breitet kläglich aus die ungezählte Qual,

Darin mein Jesus sich so willig hat begeben;

O Werk voll teurer Gnad', voll reiner Himmelslieb',

Wozu sein treues Herz den frommen Heiland trieb!

Wer kann nach Würden g'nug dies heil'ge Tun erheben?

Rennet, ihr Tränen, mit willigem Lauf,

Höret vom Laufen doch nimmermehr auf:

Dieweil

Mein Heil

Und Teil

Hierdurch verliert sein Leben.

Ach! wie so ängstig sollt' ich meine Lebenszeit

Verbringen hier in Not; dort in der Ewigkeit

Der Höllen Marter, Pein und stete Drangsal leiden;

Wer möchte solchen Schmerz von mir einst nehmen hin?

Ach wehe mir, daß ich so sündlich worden bin,

Und müßte sein von Gott, o ewig! abgescheiden!

Fließet ihr Augen, erwalle mein Blut,

Weil kein Geschöpfe die Hülfe hier tut;

Jedoch

Wird noch

Mein Joch

Und Angst verkehrt in Freuden.

Mein Jesus stellet sich als meinen Bürgen dar,

Von meiner Sünden Zahl, so mehr, als Haupteshaar,

Ergriffen; Höret doch, wie er für Krankheit klaget;

Itzt wird uns seine Not für Augen hier gemalt,

Auch wie mit seinem Blut die Handschrift ist bezahlt,

Wodurch Gesetz und Fluch, und Höll' und Tod verjaget.

Schauet ihr Augen, betracht' es, mein Herz,

Höre den Jammer, empfinde den Schmerz,

Doch gläub',

Und bleib''

An Leib

Und Seel' nur unverzaget.

Mein Jesu, hilf, daß ich dein Leiden recht bedenk'

Und mich mit Andacht tief in deine Wunden senk',

Auf daß mich nichtes nicht von deiner Liebe treibe;

Insonderheit verleih', daß deine Passion,

Angst, Bande, Geißel, Spott und scharfe Dornenkron',

Auch Kreuzestod, dein Geist mir tief ins Herz einschreibe:

Gib mir zu denken, mein Heiland, an dich,

Gib mir in Reue zu kreuzigen mich,

Gib mir,

Daß dir

Ich hier

Und ewig dankbar bleibe.