Trost im Leid

J. Franck

Lerne, sehr betrübtes Herz,

Dich in alle Leiden schicken,

Lasse nicht den Trauerschmerz

Deiner Hoffnung Blüt' ersticken.

Laufe, durch Geduld gestärkt,

Deines Kampfs bestimmte Schranken;

Der auf alle Tritte merkt,

Lässet deinen Fuß nicht wanken.

Schaue den, so deine Schuld,

Was er selber nicht genommen,

Abgetragen mit Geduld,

Dass zum Frieden du gekommen

Und mit Gott vereinigt bist;

Was hernach dir widerfähret,

Hat dein liebster Jesus Christ

Als sein Kreuz auch dir bescheret.

Jesus' lieben Freunden wird

Ihres Leidens Kelch geschenket;

Seine Schafe färbt der Hirt

Und derselben stets gedenket;

Drum betrachte deine Not,

Zucht ist's, und nicht Zornesstrafen,

Da dich Krankheit, Pein und Tod,

Schmach, Angst und Verfolgung trafen.

Siehe Jesum fröhlich an,

Der sich als ein Lamm ließ führen

Und erstummt', obgleich er kann

All sein Tun mit Unschuld zieren;

Lerne Lämmleins Art auch du,

Schweige, leide, duld', ertrage,

Jesus hilft im rechten Nu,

Dass kein Gotteskind verzage.

Jesus duldete Verrat,

Seiner Fänger feste Bande,

Was der Feinde Schar ihm tat,

Auch der Knechte Schläg' und Schande,

Er vertrug es, da man ihn

Einen Übeltäter hieße,

Auch sein eig'nes Kleid abziehn

Und zum Schauspiel kleiden ließe.

Geißeln, Ruten, Dornenkron',

Einen Rohrstab in den Händen,

Von den Kriegesknechten Hohn;

Neiden, Bücken, Hoheitschänden,

Solches alles litt er gern,

Doch von unser Sünde wegen;

Will auch, daß ein jeder lern'

Sich ins Kreuz geduldig legen.

O mein Herr, ich bin bereit,

Durch dich alles auszustehen,

Recht gelassen jederzeit

Dein Exempel anzusehen!

Warten Band' und Trübsal mein,

Dir zu Ehren mich zu binden,

Will ich gern geduldig sein

Und in dir Errettung finden.

Würde mich der Feinde Macht

Von den Meinen ganz verjagen,

Will ich, weil ich stets betracht',

Was du littest, solches tragen;

Weil du, frühgejagte Hind',

Ließest dich von Hunden fangen,

Können, die mir widrig sind,

Nicht den Wunsch an mir erlangen.

Ist mein Kelch mir eingeschenkt,

Den ein treuer Vater gibet,

Merk' ich's: Er hat erst getränkt

Dich, indem er alle liebet;

Weil du selbst geheiligt hast

Die betrübte Kummerplagen,

Will ich unter keiner Last

Dieser Zeite Leiden klagen.

Kommen grimm'ge Löwen her,

Meine Seele zu zerreißen,

Dulden ist die Gegenwehr,

Derer ich mich will befleißen;

Ob mich schon ihr Zorn erjagt,

Bist du, Jesu, mein Vertreter!

Wenn ihr Wüten tobt und plagt,

Bleibst du, Heiland, mein Erretter.

Spott, Verfolgung, Hohn und Schmach

Sind zwar ungeliebte Dinge;

Denk' ich deinem Leiden nach,

Dünkt mich alles doch geringe,

Denn es scheidet nimmermehr

Mich von Gottes reiner Liebe,

Gott beleget nie zu sehr;

Drum dich ihm, mein Herz, ergibe.

Jesus trägt das schwerste Teil;

All mein Leiden ist nachtragen;

Wenn du führest mich, mein Heil,

Will ich wohl das End' erjagen;

Liegt ein hoher Kreuzberg da,

Den ich ängstig muß erklettern,

Wird mich, weil dein' Hülfe nah,

Nie ein schwerer Fall zerschmettern.

Geht mir, weil ich's tragen muß,

Meine Freudensonn' hinunter,

Bringet mir's doch nicht Verdruss;

Dieses aber macht mich munter,

Dass auch dir verfinstert ist

Dein Geschöpf, des Himmels Sonne;

In der Finsternis, Herr Christ,

Bist du selbst mein Licht und Wonne!

Zwar mein Elend währet lang,

Nächt' entfließen mit den Tagen,

Dass ich seufze: Mir ist bang!

Doch gescheh' dein Wohlbehagen;

Ich will hoffen, stille sein

Und geduldig auf dich schauen.

Endlich endet sich die Pein,

Wie zu dir steht mein Vertrauen.

Herr! Ich hab' im Anfang nicht

All mein Leiden Freud' erachtet;

Nu du selbst mich aufgericht,

Wird es durch Geduld betrachtet:

Hier erlitten und verhöhnt,

Hier verfolget und verletzet,

Dort von Jesu Hand gekrönt,

Mit dem Paradies ergetzet.