Frühling

J. Gänsbacher

Leise rauscht der Frühlingswind,

spielend mit Blumen, die frisch erblühen,

Düfte strömen sie aus so lind,

das ist der Blumen Seele Glühen!

Glitzernd stiehlt sich der Sonne Strahl

mitten durchs dichte lauschige Dunkel,

und in den thauigen Grase zumal,

welch' ein morgenfrohes Gefunkel!

Wer denkt wohl jetzt an den Winter auch,

und an sein grimmig wildes Drohen?

Vor eines milden Zaubers Hauch

sind jene finstern Schrecken entflohen!

Solchen Zauber hast du vollbracht,

Mädchen mit deinen Frühlingsblicken

mit deiner zarten Schönheit Macht,

der alle hohen Wunder glücken!

Als ich holde Rose dich sah,

wähnt' ich, mir blühe ein Frühlings wieder,

süsses Empfinden regte sich da,

fröhlich entsprossen neue Lieder,

nicht mehr dacht' ich der Winternacht,

die mein Herz so lange umfangen,

da mir dein Bild entgegen lacht,

scheinen die Schmerzen wie längst vergangen!