Fliederblüthen

J. Goldschmidt

Durchblätterte jüngst ein altes Buch

Drin lag ein Sträusslein Flieder

Gepresst und vergilbt und verdorret ganz

Und doch erkannt ich's wieder.

Dort unten, an dem Gartenzaun

Dort schlang sich mein Arm um ihr Mieder

Dort haben wir selge Küsse getauscht

Dort unter dem duftenden Flieder.

Und als ich sie zuletzt gesehn

Da brach sie das Zweiglein Flieder

Und rief mir noch aus der Ferne zu

Du morgen sehn wir uns wieder.

Trocken halt ich die Blüth in der Hand,

Leis rollt die Thräne hernieder.

Mein Glück das ich einst so voll Freude fand

Verblasst wie dies Sträusslein vom Flieder.