Am See

J. Grimm

Es steht eine einsame Weide

An feuchtem Ufersrand,

Die blaue Welle schlägt

Mit leisem Rauschen an's Land;

Sie spielt mit seinem Stamm,

Sie netzt des Weidenbaums Fuss,

Der neigt seine grünen Zweige

Der tändelnden Welle zum Gruss,

Und küsst die spiegelnde Fluth,

Und schaut dort sein eigenes Bild,

Und die Welle dem freundlichen Grüssen

Sehnsüchtig entgegen schwillt.

Und wenn's in den Blättern zumal

So leise und wehmüthig rauscht,

Die Welle den Klagen des Freundes

Andächtig theilnehmend lauscht;

Und wenn die Welle geschwätzig

Sich gegen das Ufer bewegt,

Der Weidenbaum dicht auf das Wasser

Die horchenden Blätter legt,

Und lauscht dem Geplauder der Welle,

Und was sie ihm heimlich vertraut,

Andächtig lauscht er, als wären's

Worte der zärtlichen Braut.