Vogelsprache

J. Gruber

Am Feuerherd der Frieder schürt

Die Gluth mit einer Zange.

Was zischend sich im Kessel rührt,

Ist eine weisse Schlange.

Er schluckt und schlingt mit vieler Müh'

Die grause Brüh'.

Da wird's im Kopf ihm wunderlicht;

Jetzt weiss er, was der Vogel spricht.

Willkomm du lust'ger Kirschendieb!

Nun sag' mir frohe Kunde.

Hat mich mein schwarzbraun Mädel lieb

Und denkt sie mein zur Stunde?

Da sang im Kirschenbaum der Spatz:

"Dein brauner Schatz

Hat einen Buhlen schön und reich." --

Der Frieder ward wie Kreide bleich.

Drauf hat er sich aus Lindenbast

Gewunden eine Schlinge,

Die band er an den Lindenast,

Auf dass er sich erhinge.

Da sprach der Rabe mit Geschnarr:

"Du bist ein Narr!

Die Welt ist grün und schwarz das Grab."

Der Frieder schnitt sich wieder ab.

Er setzte sich auf einen Stein

Und hatte Weh im Herzen.

Das ungetreue Mägdelein,

Das konnt' er nicht zerschmerzen.

Da sprach im Apfelbaum der Fink:

"Trink Frieder, trink!

Der Frieder soll zu Weine gahn."

Der kluge Frieder hat's gethan.