Märchen

J. Hagemann

Die Mittagssonne brütet heiß,

im Traume liegt der Wald,

ein Glockenton erzittert leis',

der mählig dann verhallt.

Und wunderklare blaue Luft

rings über Feld und Heide,

und würzig schwerer Sommerduft

vom reifenden Getreide;

und Bienen, Käfer, glänzend bunt,

das surrt und summt ganz leise,

im Schatten schläft der Schäferhund,

im Riedgras zirpt die Meise.

Am Waldbach träumt das Hüterkind

von Liebeslust und Qual,

und märchenheimlich raunt der Wind:

„Es war, es war einmal!”