Hör Nachbar, ach sag mir

Haydn, Joseph

Hör Nachbar, ach sag mir,

was ist da heut Nacht,

wie hast denn du heute

die Zeit zugebracht?

Ich weiß nicht, mir träumte,

nein träumt mir nicht mehr,

ich hör etwas singen,

horch Bruder, geh her!

Schau, dorten, von weitem,

was leuchtet so schön?

Nimm noch jemand mit,

denn wir wollen hingehn.

Ich fürchte mich nicht

und ich bin voller Mut,

mein Herz tut mir springen,

es ist mir recht gut.

Potztausend, wie näher,

wie ärger es brinnt,

schau hin, ach ich glaube

dort liegt ein klein's Kind.

Ein Jungfrau daneben

und ein alter Greis,

siehst du ihn nicht knieen,

er ist ganz schneeweiß.

Ein Ochs und ein Esel,

die stehen dabei;

das Kind in der Krippen,

es lieget auf Heu.

Sie tun es anhauchen,

die Kälte ist groß,

die Leut' hab'n kein Windel,

es liegt völlig bloß.

Mein Bruder, ich sag dir,

ich bleib nicht mehr hier,

ich hole ein Schafsfell

und nehm' es mit mir.

Es tut mir erbarmen,

das herzige Kind,

daß es nicht erfriert,

deck' ich zu es geschwind.

Was denkst du, wie ist dir?

Ich sag dir's ganz frei,

der Glanz, die Musik

und das Singen dabei,

das ist nicht natürlich,

ich will euch jetzt sag'n,

wie ich in der Stadt war,

hab ich hören sag'n,

daß unser Erlöser

soll sein nicht mehr weit,

ach wär's doch dies Kindlein,

das wär' eine Freud!

Kommt knieen wir nieder

und bitten das Kind,

es möcht' uns verzeihen

all unsere Sünd.

O liebliches Kindlein,

o herziger Schatz,

mein Herz sei dein Windlein,

da mach ich dir Platz.

Ich küsse, ich ehre,

ich liebe dich sehr,

ach komm, mein Erlöser,

ach komm doch bald her.