Ermuthigung

J. Hey

Mein Herz, verzage nicht!

Die Liebe macht's mit allen so,

Ein Herz voll treuer Pflicht

Wird ohne Gram nicht froh:

Es fällt zwar ziemlich schwer,

Eh' uns das Kummer-Meer

Zum sichern Friedens-Hafen bringt,

Man zittert, seufzt und sinkt

An Muth und Sinn

In Stürmen hin,

Der Anker reißt die Hand,

Doch wer sich zwingt und hoft, der kommt gleichwohl ans Land.

Was leid ich nicht um dich,

Du mir ins Herz geprägtes Bild?

Die Sehnsucht jaget mich

So wie ein schüchtern Wild:

Mein Schlaf ist nur ein Qualm,

Mein Lied ein Klage-Psalm,

Die Angst der bangen Einsamkeit

Begrägt mich vor der Zeit,

Weil ich den Kuß

Entbehren muß,

Der so viel Lust verspricht:

Doch hoff' ich alles auszustehn, verlaß mir du mich nicht!

Verlaß nur du mich nicht,

Du Engel! dessen treuer Geist

Und holdes Angesicht

Mir noch den Trost-Stern weist;

Der Himmel wird einmal

Uns nach so vieler Qual

Der Hoffnung Sieges-Kranz verleihn,

Und mich durch dich erfreun;

Drum liebe still,

Wie ich auch will,

Und sieh' geduldig zu,

Die Strasse, so uns jetzo trennt, führt unvermerkt zur Ruh'.

Ich liebe meinen Schmerz,

Weil du mein Engel Ursach bist,

Du hast mein ganzes Herz,

Diß raubt dir keine List.

Was hilfts uns, daß man weint?

Was jetzt unmöglich scheint,

Das ist gewiß ein Ubergang,

Der Grillen-Fang mach krank;

Es rühret mich

Schon innerlich

Ein Trieb der Zärtlichkeit,

Die mir dein künftiger Besitz so wie dein Name deut.