Der Nachtwandler

J. Hubay

Im Lichte deiner Augen

Nachtwandl' ich durch die Welt.

Du stehst mit Mondeshelle

An meinem Himmelszelt.

Du führst mich auf die Schwelle,

Du weisest mir den Pfad,

Ich wandle selbstvergessen

Auf schwindlicht engem Grat.

Ich wage mich vermessen

In's Reich der Luft empor,

Kein Ruf und keine Mahnung

Von unten trifft mein Ohr.

Doch kommt es mir wie Ahnung,

Wohin ich mich verirrt,

Sobald mein eigner Name

Mir zugerufen wird.

Als ob mein Flug erlahme,

So halt' ich plötzlich still,

Und frage, was die Menge,

Die Welt noch von mir will.

Mit fürchterlicher Enge

Belastet's meine Brust;

Dan schwindest mir, ich bebe,

Mein selber jäh bewußt.

Amsonst, daß ich erhebe

Zur Gottheit Herz und Hand:

Du strahlst von deinem Sitze,

Du hältst mich festgebannt.

Bis mich von höchster Spitze

Der tiefste Fall zerschellt,

Muß ich in deinem Licht

Nachtwandeln durch die Welt.