Vergissmeinnicht
J. Hummel
Wenn Zwei', die sich von ganzem Herzen
Den ganzer Seelen zugethan,
Nach kurzem Glück die langen Schmerzen
Der ersten Abschiedsstunden nah'n:
Da wandeln wohl im Thales Grunde
Sie noch einmal im Dämmerlicht,
Und leise tönt von ihrem Munde:
Vergißmeinnicht! Vergißmeinnicht!
Der Bach zu ihren Füßen plaudert,
Der Mond steigt auf in voller Pracht,
Sie möchten geh'n und jedes zaudert,
Sie schreiten weinend durch die Nacht.
Wie schwer ist es, das Liebste meiden,
Den Arm, der kosend uns umflicht!
Und ach, es muß ja sein! sie scheiden,
Ihr letztes Fleh'n: Vergißmeinnicht!
Nun weilt sie in der Dämmerstunde
Im Thale, wo das Bächlein rinnt,
Und plaudernd in dem kühlen Grunde
Die alten blauen Märchen spinnt.
Sie küßt ein Blümchen, das sie pflückte,
Und lächelt, ob das Herz ihr bricht --
Die Tiefverhärmte, Hochbeglückte,
Sie betet still: Vergißmeinnicht!