Nach einem alten Lied

J. J. Grünwald

Sagt, wo sind die Veilchen hin?

Die so freudig glänzten,

Und der Blumen-Königinn sic

Ihren Weg bekränzten?

"Jüngling, ach! Der Lenz entflieht:

"Diese Veilchen sind verblüht!"

Sagt, wo sind die Rosen hin?

Die wir singend pflückten,

Als sich Hirt' und Schäferinn

Hut und Busen schmückten?

"Mädchen, ach! Der Sommer flieht:

"Jene Rosen sind verblüht!"

Führe denn zum Bächlein mich,

Das die Veilchen tränkte;

Das mit leisem Murmeln sich,

In die Thäler senkte.

"Luft und Sonne glühten sehr:

"Jenes Bächlein ist nicht mehr!"

Bringe denn zur Laube mich,

Wo die Rosen standen,

Wo in treuer Liebe sich

Hirt' und Mädchen fanden.

"Wind und Hagel stürmten sehr:

"Jene Laube grünt nicht mehr."

Sagt, wo ist das Mädchen hin,

Das, weil ich's erblickte,

Sich mit demuthvollem Sinn

Zu den Veilchen bückte?

"Jüngling! alle Schönheit flieht:

"Auch das Mädchen ist verblüht."

Sagt, wo ist der Sänger hin,

Der auf bunten Wiesen

Veilchen, Ros' und Schäferinn;

Laub und Bach gepriesen?

"Mädchen, unser Leben flieht:

"Auch der Sänger ist verblüht."