Abendlied

J. Kalliwoda

Es neigt sich mit thauigen Schwingen

Der Abend herab auf die Flur,

Die Töne des Tages erklingen

Und Schweigen bedeckt die Natur.

Sie alle die hoffend und bangend

Gestrebt und gesorgt und gewacht,

Mit Trost und mit Ruhe umfangend

Verbreitet sich leise die Nacht.

Und wie sich die Erde verdunkelt

Erblühet ein strahlender Kranz

Von himmlischen Blüthen, und funkelt

Im heiligen ewigen Glanz.

O sendet, ihr Ew'gen, den Schlummer

Auch meinem ermattenden Blick,

Umhüllt mit Vergessen den Kummer,

Und zeigt mir im Traume mein Glück.