Abschied

J. Kalliwoda

Gepries'nes Land, das liebend mich erzogen,

das mich geführt zur Geistesharmonie

und in des Lebenssturms bewegten Wogen

mir Festigkeit und höh're Weihe lieh;

dich soll ich nimmer, nimmer wiedersehen,

dich nie mehr sehen, holdes Blütenland,

auf keiner deiner Fluren mich ergehen,

wo ich der Unschuld reinste Freuden fand!

Gepries'nes Land, wo Liebe mir gelächelt,

wo mich entzückt der Hoffnung gold'ner Strahl,

wo mich der Väter hoher Geist umfächelt

und mich beglückt der Brüder reiche Zahl;

dich soll ich nimmer, nimmer wiedersehen,

dich nie mehr sehen, teures Vaterland,

wo mich der Jugend Genien umwehen

und mich umzieht der Liebe Zauberband!

Auf deinen Fluren lernte ich erkennen

der Allmacht weise, mild Vaterhand;

mit Schmerzen nur kann sich der Jüngling trennen

von hier, wo er so innig Gott empfand.

Dich soll ich nimmer, nimmer wiedersehen,

dich nie mehr sehen, teures Jugendland,

wo schöne Sternlein auf- und niedergehen,

wo heller strahlt der Sonne Lichtgewand!

O lebe wohl, du Heimat meiner Jugend,

für dich wird ewig glühen dieses Herz;

du bahntest mir den steilen Weg zur Tugend,

in ihr verkläre sich fortan mein Schmerz!

Soll ich dich nimmer, nimmer wiedersehen,

dich nimmer sehen, teures Vaterland,

so wird dein Geist doch immer mich umwehen,

und nie sich lösen uns'rer Liebe Band!