An die Heimat
J. Kalliwoda
O meiner Heimat heil'ge Berge,
o meiner Jugend schönes Land!
Zu euch ist meine ganze Seele,
zu euch mein ganzes Herz gewandt!
Wohl klingen wundersüße Töne
verlockend von der fernen Flur,
doch alles Heilige und Schöne
umschließt die teure Heimat nur.
Dort schien der erste Lebensmorgen
auf meine Wiege still und klein,
dort wiegte mich die Mutterliebe
an ihrem teuren Busen ein.
Vergebens such' ich solche Treue
und solche Huld in fremdem Land,
und nimmer tausch' ich für das Neue,
was mich an meine Heimat band!
Dort pflanzt' ich in die teure Erde
das junge Reis so schwach und zart,
dass es zum starken Baume werde
in deutscher Kraft und deutscher Art.
Und herrlich wachsend ist's gediehen,
schließt mit den Wolken seinen Bund;
und weißt du, was ihm Kraft verliehen?
Es wurzelte in heim'schem Grund!
O meine Heimat, wo ich weile,
da sehn' ich mich nach dir zurück,
und alles, was die Fremde bietet
ist nur ein unbeständ'ges Glück!
Nur du allein und deine Töne,
sie wecken wundersame Lust;
nur in der Heimat blüht das Schöne,
und ihr gehört die treue Brust!
Und hab' ich einst am Lebensabend
zur ew'gen Ruhe mich gewandt,
so will ich ein Gebet nur sprechen:
„Ein stilles Grab im heim'schen Land!“
Wohl ruht man auch in fremder Erde
von allen Lebensmühen aus,
doch nirgends schläft man besser,
als in dem lieben eig'nen Haus!