Das Wanderbuch

J. Kalliwoda

Will mein Conterfei dir schenken,

Daß du oft sollst an mich denken;

Doch hat Keiner mich gemalt,

Weil ich Keinen noch bezahlt.

Dennoch will ich dich umschweben

In des Bildes frischem Leben.

Darum nimm mein Wanderbuch,

Drinnen steh' ich Zug für Zug.

„Augen: schwarz, nicht frei von Schielen,

„Wenn im Busche Mädchen spielen.

„Mund: gewöhnlich zugespizt,

„Wenn er nah dem Liebchen sizt.

„Wange: roth von Sommersprossen,

„Die der Wein darauf gegossen,

„Nase: lang, recht oft gedreht,

„Je nachdem der Wind herweht.

„Und der Bart sich mächtig rollt,

„Wenn das Mädchen zankt und schmollt.“

Nimm dies Bild; denn ich will hoffen,

Daß der Maler mich getroffen.

Nimm es hin mein Wanderbuch,

Drinnen steh' ich Zug für Zug.

Hast du dieses Bild in Handen;

Bin ich ganz in deinen Banden;

Denn gibst du nicht Visa mir,

Kann ich ewig nicht von dir.