Des letzten Kaisers Rheinfahrt
J. Kalliwoda
Der Sänger ruht auf schroffem Stein,
Umstralt sic vom Morgenlicht,
Er schaut hinunter, wo der Rhein
Die stolzen Wellen bricht:
Horch! durch die Lüfte braust ein Sturm
Von Jubel und Gesang,
Und weit hinab von Thurm zu Thurm
Tönt Feierglocken-Klang. --
Nun rauscht die Flut am Felsenriff
Empor in weißem Schaum,
Da fleucht heran ein gold'nes Schiff,
Schön wie ein Märchentraum;
Drauf steht manch' herrliche Gestalt
Um einen hohen Gast,
Und eine Adlerflagge wallt
Herab vom schlanken Mast.
Vorbei -- vorbei – "was weinest du
O Sänger ernst und bleich --?"
""Ich dacht' indeß in stiller Ruh
An's alte deutsche Reich,
Da sank mir eine Thräne nur
In's tiefe Wellengrab;
Denn ach! sein letzter Kaiser fuhr
Dort auf dem Rhein hinab!""