Die Fahnenwacht
J. Kalliwoda
Der Sänger hält im Feld die Fahnenwacht!
Im Arme ruht ihm das Schwert, das todesscharfe;
Mit hellem Lied grüßt er die stille Nacht
Und rührt die gold'nen Saiten seiner Harfe:
Die Dame, die ich liebe, nenn' ich nicht,
Doch hab' ich ihre Farben mir erkoren,
Ich streite gern für Freiheit und für Licht,
Getreu der Fahne, der ich zugeschworen!
Die Nacht verrinnt, Kampf bringt der junge Tag!
Der Sänger will nicht von der Fahne weichen.
Es blitzt sein Schwert, doch ist's ein Blitz und Schlag,
Und singend schlägt er Lebende zu Leichen:
Die Dame, die ich liebe, nenn' ich nicht,
Kommt nur heran, die Brust mir zu durchbohren,
Ich sterbe gern für Freiheit und für Licht,
Getreu der Fahne, der ich zugeschworen!
Der Tod ist satt, gewonnen ist die Schlacht!
Aus tiefen Wunden strömt des Sängers Leben.
Auf blut'ger Fahne, die er treu bewacht,
Hört man ihn sterbend noch sein Lied erheben:
Die Dame, die ich liebte, nannt' ich nicht,
Mein Leben ist, die Ehre nicht, verloren!
Ich stritt und fiel für Freiheit und für Licht,
Getreu der Fahne, der ich zugeschworen!