Letzter Wille

J. Kalliwoda

Ich lag so gern bei Blumen

in froher Jugendzeit,

des Frühlings Kinder gaben

mir kosend das Geleit.

Bei Blumen möcht' ich liegen,

wenn ich gestorben bin,

d'rum leget die Gespielen

zum bleichen Schläfer hin!

Zu Häupten leget sorglich

mir ein Vergissmeinnicht;

es soll den Lieben sagen,

was stets dies Blümlein spricht.

Auch soll den Schwestern künden

der blaue Augentrost,

dass ewig ich umfasse,

die süß mit mir gekost.

Zum Herzen legt die Rose,

wenn es sich ausgeglüht;

sie sage, dass ich glühte

für sie, ein treu Gemüt.

In meine Hände drücket

Kreuzblümchen, frisch erwacht;

mit ihnen wird die Pforte

des Himmels aufgemacht.

Sie haben mir erschlossen

der Kindheit Himmel einst,

d'rum brauch' ich sie, mein Liebchen,

wenn du einst um mich weinst.

Doch wenn ich sterben werde,

da wird es Winter sein,

da wird kein Blümlein blühen,

dann lieg' ich ganz allein!