Lied eines Schweizerknaben
J. Kalliwoda
Mein Arm wird stark, und groß mein Mut;
Gieb, Vater, mir ein Schwert!
Verachte nicht mein junges Blut!
Ich bin der Väter wert!
Ich finde fürder keine Ruh
Im weichen Knabenstand!
Gern stürb' ich, Vater, stolz wie du,
Den Tod fürs Vaterland!
Schon früh in meiner Kindheit war
Mein täglich Spiel der Krieg;
Im Bette träumt' ich nur Gefahr,
Und Wunden nur und Sieg.
Mein Feldgeschrei erweckte mich
Aus mancher Hermannsschlacht;
Noch jüngst ein Schwerthieb, welchen ich
Dem Feinde zugedacht.
Da neulich teutscher Krieger Schar
Auf dieser Straße zog,
Und, wie ein Vogel, der Husar
Das Haus vorüberflog:
Da gaffte starr, und freute sich
Der Knaben froher Schwarm;
Ich aber, Vater, härmte mich,
Und prüfte meinen Arm.