Lied für Schlittschuhläufer
J. Kalliwoda
Fort! Nun blüht des Winters Reich,
um die Fersen sputet euch
blanken Stahl zu schnallen;
spiegelhelle auf dem Teich
glänzen Eiskristallen.
Reif sei uns'rer Locken Kranz,
wenn wir leicht auf Silberglanz
wie die Elfen schweben,
wechselnd wie im Lebenstanz
uns're Bahn verweben.
Frierend in der Stube sitzt
nur der blasse Weichling itzt
bei dem schwachen Greise;
doch des Mannes Auge blitzt
mutvoll auf dem Eise.
Wonne zittert durch die Brust,
wenn, des innern Werts bewusst,
sich die Läufer scharen,
glatten Pfad mit Himmelslust
wundervoll befahren.
Wenn sie stürmend rasch genug
für des Adlers kühnen Flug
bald ein Ziel ereilen,
bald in sanftem Wellenzug
heiter Lüfte teilen.
Zwar der Sonne warmer Strahl
wird die Freuden ohne Zahl
uns nicht lang' gewähren;
nicht mehr klingend, wird den Stahl
schwarzer Rost verzehren.
Darum, Freunde, haschet heut',
was der Stunde Gunst verleiht,
stets mit rüst'gen Füßen;
Weisheit heißt: den Tropfen Zeit
fröhlich zu genießen.